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Dialogplattform Kohlenstoffspeicherung im Holzbau an der Swissbau

  • vor 1 Tag
  • 2 Min. Lesezeit

Holzbau als Klimaretter oder Greenwashing? Am 22. Januar 2026 lud S-WIN zusammen mit DeCIRRA zur einer Dialogplattform nach Basel ein, um das Versprechen der Kohlenstoffspeicherung im Holzbau einem kritischen Realitätscheck zu unterziehen.

 

Das Interesse am Holzbau als Kohlenstoffspeicher ist gross. Doch wie lässt sich diese Klimaleistung seriös messen und allenfalls monetarisieren? Gemeinsam mit Fachleuten aus Forschung, Wirtschaft und Verwaltung diskutierte S-WIN im Rahmen der Swissbau die Chancen und Risiken von CO₂-Zertifikaten.

 

Wissenschaft trifft Marktrealität

Den Auftakt machte Prof. Dr. Regina Betz (ZHAW / DeCIRRA: Decarbonisation of CIties and Regions with Renewable gAses). Sie zeigte auf, dass die Wissenschaft hohe Hürden für die Anerkennung von Speicherleistungen setzt. Besonders die Themen Permanenz (wie lange bleibt das CO₂ tatsächlich im Holz gespeichert?) und Additionalität (wäre das Gebäude ohnehin in Holz gebaut worden?) stehen im Fokus.

 

Frank Vasek (Timber Finance) ergänzte die Sicht aus der Praxis und ordnete aktuelle Standards wie das kommende EU Carbon Removal Certification Framework (CRCF), Rainbow und VERRA ein. Dabei wurde klar: Der Markt ist in Bewegung, aber noch fehlen fundierte Lösungen für komplexe Fragen wie den Umgang mit dem Lebensende eines Gebäudes (End-of-Life).

 

Der Dialog im Zentrum

In der anschliessenden Diskussion mit Vertretern von Holzbaufirmen, dem BAFU und Branchenverbänden kristallisierte sich heraus, dass die Branche wachsam bleiben muss. Ein zentraler Punkt war die Sorge vor einem möglichen Imageschaden: Werden Speicherleistungen offensiv oder ohne wissenschaftliches Fundament vermarktet, drohen Greenwashing-Vorwürfe, welche die Glaubwürdigkeit des Holzbaus untergraben könnten. Des Weiteren wurde auch die Additionalität vertieft diskutiert: Je mehr der Holzbau durch neue Gesetze, Vorschriften oder Normen zum Standard wird, desto weniger Projekte können im Rahmen des  Zertifikatshandel die zwingend notwendige «Zusätzlichkeit» nachweisen.

 

Fazit und Ausblick

Bevor die temporäre Kohlenstoffspeicherung  vermarktet wird, gibt es für die Branche Hausaufgaben bei der Reduktion der eigenen Emissionen in Produktion und Logistik. Nur ein ehrlicher Umgang mit der Netto-Bilanz eines Gebäudes sichert langfristig das Vertrauen von Bauherrschaft und Politik. S-WIN wird dieses Thema weiter begleiten, um fundierte Antworten für die Schweizer Holzwirtschaft zu finden.

 

 

Quelle: DG CLIMA (2025) Technical Assessment Paper (TAP) for long-term temporary biogenic carbon storage in buildings

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