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Wald als Hangmurenbrecher


WHFF-Projekt 2019.16 Wald als Hangmurenbrecher

Projektleiter: Prof. Dr. Luuk Dorren, Berner Fachhochschule, Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL)


Das Kurzvideo zum Projekt auf Youtube kann unter folgendem Link angesehen werden: https://youtu.be/8tLdMzgWAEs


Das Wichtigste in Kürze

  • Erforschung des Einflusses von Wäldern auf flachgründige Rutschungen und Hangmuren in der Schweiz, die regelmässig erhebliche Schäden und Risiken für Infrastrukturen darstellen.

  • Durch die Analyse historischer Hangmurenereignisse und Geländeaufnahmen wurde festgestellt, dass die Dichte des Waldes, insbesondere die Anzahl der Bäume, die Bremswirkung beeinflusst. Laborversuche mit simulierten Hangmuren und 3D-Simulationen ergaben, dass gut strukturierte Waldgebiete mit hoher Stammzahl und vereinzelten grossen Baumdurchmessern einen idealen Schutz bieten.

  • Simulationen zeigten, dass die risikoreduzierende Wirkung des Waldes entlang von Hangmuren-Transitgebieten, wie Autobahnen, auf CHF 6’500 pro Jahr geschätzt werden kann

  • Die Pflege des Schutzwaldes ist entscheidend, um langfristig einen effektiven Schutz vor Naturgefahren zu gewährleisten. Die in der Schweiz vorhandenen Richtlinien sollen durch die Ergebnisse dieses Projekts verbessert werden, um eine naturgefahrenangepasste Waldpflege zu fördern.


Projektbeschreibung

In der Schweiz führen spontane flachgründige Rutschungen und Hangmuren regelmässig zu erheblichen Schäden an Infrastrukturen, Sperrungen, Evakuierungen und sogar Todesfällen. Seit der Einführung des ganzheitlichen Managements von Naturgefahrenrisiken gilt der Schutzwald als entscheidende biologische Massnahme gegen flachgründige Rutschungen und Hangmuren.

Bislang wurde der Einfluss des Waldes auf den Abfluss von Hangmuren nicht systematisch erforscht, und genau das war das Hauptziel dieses Projekts. Mithilfe von Datenbanken zu Hangmuren in der Schweiz wurden die betroffenen Standorte besucht und charakterisiert. Darüber hinaus wurden Laborversuche durchgeführt. Durch den Einsatz einer konstruierten Rutschbahn und kleiner Holzstäbchen, die Bäume simulieren, konnten verschiedene Flüssigkeitsdicken verwendet werden, um den Verlauf von Hangmuren nachzuahmen. Abschliessend wurde in einem 3D-Simulationsmodell mit verschiedenen Einstellungen die Schutzwirkung des Waldes gegen Hangmuren untersucht.


Schlussfolgerungen

Die Auswertung historischer Hangmurenereignisse in Verbindung mit Geländeaufnahmen zeigte, wie erwartet, dass vor allem die Anzahl der Bäume (also die Dichte des Waldes) die Bremswirkung des Waldes beeinflusst. Mit zunehmender Dichte des Waldes verringert sich die Strecke, auf der die Hangmure abläuft. Darüber hinaus konnten anhand der vor Ort durchgeführten Messungen eine klare Beziehung zwischen dem Durchmesser der Bäume und der Menge des hinter den Bäumen abgelagerten Materials feststellen.

Die Ergebnisse der Laborversuche deuten darauf hin, dass verschiedene Waldstrukturen (dicht, offen, mit Lücken) Rutschungen stärker bremsen als ein nicht bewaldetes Gelände.

Schlussfolgernd kann gesagt werden, dass ein gut strukturierter Baumbestand mit hoher Stammzahl und vereinzelten grossen Durchmessern einen idealen Schutz vor Hangmuren in der Ablaufroute bietet. Simulationen des Ablaufs historischer Hangmuren mit und ohne Wald ermöglichten eine monetäre Bewertung der Schutzwirkung des Waldes in der Ablaufroute. Demnach könnte sich die risikoreduzierende Wirkung des Waldes im Transitgebiet einer Hangmure, beispielsweise entlang einer Autobahn wie der Gotthardstrecke, sich auf CHF 6’500 pro Jahr belaufen.

Es ist jedoch wichtig, den Schutzwald spezifisch und naturgefahrenangepasst zu pflegen, um langfristig einen effektiven Schutz gegen Naturgefahren zu gewährleisten. In der Schweiz gibt es hierfür entsprechende Richtlinien, und die Ergebnisse dieses Projekts fliessen direkt in die Verbesserung dieser Richtlinien ein.


Hier können Sie den vollständigen Bericht runterladen:


SB 2019.16 Dorren_Wald_als_MurenBrecher
.pdf
PDF herunterladen • 32.28MB


Mehr Informationen zum Projekt finden Sie auf ARAMIS.


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