20 Okt 2022

Tannenholz – Ermittlung von Richtlinien für die erste und zweite Verarbeitungsstufe zur Vermeidung von Schäden an Holzbauteilen

WHFF Projekt 2018.16 

Projektleitung: Thomas Volkmer 

 

Das Wichtigste in Kürze 

  • Verschiedene Tannensortimente wurden hinsichtlich des Nasskerns und Rotstreifigkeit in seinen Auswirkungen auf die Produktqualität und speziell die biologische Beständigkeit untersucht  
  • Sortierkriterien und Richtlinien für die Lagerung, den Transport und die Trocknung von Tannenholz, um einen Befall durch Blättlinge zu vermeiden wurden festgelegt 
  • Es wurde gezeigt, dass Tannenholz eine ähnliche Resistenz gegenüber dem Tannenblättling aufweist wie Fichtenholz und dass Tannenholz gut für den Einsatz als Fassadenschalung geeignet ist
  • Ausschlagegebend sind aber vor allem die fachgerechte Verwendung, die Konstruktionsdetails und Ausführungsqualitäten

 

Projektbeschreibung 

Die Weisstanne (Abies alba) eignet sich hervorragend für den Holzbau und ist prädestiniert für ästhetisch anspruchsvolle Bauteile, wie z.B. Fassaden. Sie hat im Vergleich zur Fichte deutlich weniger Äste und kein Harz. Im Gegensatz dazu sind in der jüngeren Vergangenheit vermehrt Schadensfälle aufgetreten, bei denen Tannen durch den Tannenblättling befallen wurden.  

Vor diesem Hintergrund wurden verschiedene Tannensortimente der in diesem Projekt beteiligten Hobelwerke hinsichtlich der Auswirkungen von Nasskern und Rotstreifigkeit auf die Produktqualität und biologische Beständigkeit untersucht. Über die Beantwortung der Frage: „In welcher Form sind diverse Tannensortimente mit ggf. qualitätsmindernden Eigenschaften (Nasskern, Rotstreifigkeit) sicher einsetzbar?“ wurden in diesem Zusammenhang Verarbeitungsrichtlinien definiert, welche eine maximale Lebensdauer der Bauteile gewährleisten und somit Schäden an Holzbauten vorbeugen. Im vorliegenden Projekt wurden speziell die ersten beiden Verarbeitungsstufen ab dem Fällen untersucht: Lagerung, Einschnitt, Sortierung, und Trocknung.  

 

Schlussfolgerungen 

In Bezug auf die generelle Anfälligkeit und einen möglichen Befall von Tannenholz (ohne Nasskern und Rotstreifigkeit) im Vergleich mit Fichtenholz kann gesagt werden, dass es keine wesentlichen Unterschiede gibt. Beide Varianten werden in gleichem Umfang abgebaut, wobei Fichte sogar die grösseren Abbauraten aufwies.  

Hinsichtlich der unterschiedlichen Tannensortimente gilt prinzipiell das gleiche: Dass die Rotstreifigkeit oder das Vorhandensein des Nasskerns zu einem stärkeren Befall geführt hat, kann ebenfalls nicht bestätigt werden, auch weil die Werte variieren und sich teilweise überlagern.  

Es bleibt aber zu betonen, dass sich diese Ergebnisse nur auf Laborversuche beziehen und dementsprechend nicht ohne weiteres auf Holzelemente im Aussenbereich übertragen werden können. Trotzdem bleibt festzuhalten, dass Tannenholz eine ähnliche Resistenz gegenüber dem Tannenblättling aufweist wie Fichtenholz. 

In erster Linie sind es aber die konstruktiven Details, welche für die Anfälligkeit verantwortlich sind. Bei einem Einsatz von Tannenholz entsprechend dem technischen Stand des Wissens wären die gehäuft auftretenden Schäden weitestgehend vermeidbar gewesen.  

Nicht zu vergessenen sind bei diesen Ausführungen auch die allgemeinen klimatischen und lokalen Gegebenheiten vor Ort. Dementsprechend ist es aber besonders wichtig, dass bei feuchten Umgebungsbedingungen (nord-west Ausrichtung, starke Vegetation, Verschattung u.a.) darauf geachtet wird, dass die konstruktiven Details sehr sorgsam geplant und ausgeführt werden. Dies ist deshalb von grosser Bedeutung, weil der Befall und die vorliegenden Schadensfälle aus einer Kombination verschiedener Umstände resultieren: Konstruktionsdetails, Ausführungsqualität, Typ der Oberflächenbehandlung u.a.  

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Tannenholz gut für den Einsatz als Fassadenschalung geeignet ist und bei entsprechend fachgerechter Verwendung mit der gleichen Dauerhaftigkeit wie bei Fichtenholz gerechnet werden kann. Dabei ist zu berücksichtigen, dass bei Tannenholz nicht mit Harzaustritten zu rechnen ist und die ästhetische Erscheinung deutlich besser ist als bei Fichte. Da Fassadenschalungen aus Tanne in der Regel aus vergleichsweise dicken Stämmen eingeschnitten werden und nicht aus kerngetrennten Rohhoblern hergestellt sind, ist auch mit deutlich weniger Rissen und Verwerfungen zu rechnen, als das bei Fichte üblich ist.  

 

Das Projekt wurde von der Wald- und Holzforschungsförderung Schweiz WHFF-CH des Bundesamt für Umwelt BAFU unterstützt. 

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