06 Okt 2022

Ausbreitungspotenzial der Douglasie in Schweizer Wäldern

WHFF Projekt 2016.06 

Projektleitung: Thomas Wohlgemuth 

 

Das Wichtigste in Kürze 

  • Aufgrund des vermehrten Anbaus der ertragreichen und trockenresistenten Douglasie (Pseudotsuga menziesii [Mirb.] Franco) wird das Invasivitätsrisiko analysiert 
  • Waldbauliche Massnahmen, um die Douglasie bei unerwünschter Etablierung zu kontrollieren, Dimensionsgrössen für Pufferzonen sowie verjüngende Waldstandorte wurden näher betrachtet 
  • Die Effekte in Reinbeständen der Douglasie in Mitteleuropa zeigten eine deutliche Reduktion der Artenvielfalt bei Pilzen, Arthropoden und Vögeln 
  • Geringer sind die negativen Effekte, wenn die Douglasie beigemischt ist. Es besteht beträchtlicher Forschungsbedarf, ab welchem Mischungsgrad der Douglasie negative Auswirkungen entstehen 

 

Projektbeschreibung 

Die in der Schweiz gebietsfremde Douglasie (Pseudotsuga menziesii [Mirb.] Franco) geniesst einen hervorragenden Ruf in der mitteleuropäischen Forstwirtschaft und wird deshalb in den Nachbarländern Deutschland und Frankreich forstlich stark genutzt. In der Schweiz gilt sie wegen ihrer Resistenz gegen Sommertrockenheit als Zukunftsbaum mit einem breiten Standortsspektrum unter heutigen klimatischen Verhältnissen. Den Chancen der forstlichen Nutzung stehen die Risiken gegenüber.  

Die vorliegende Studie hatte zum Ziel, dieses Risiko genauer abzuklären. Insbesondere wurden folgende Fragen gestellt und mithilfe von Feldversuchen untersucht:  

  • Auf welchen Waldstandorten und in welchen angrenzenden Offenlandökosystemen verjüngt sich die Douglasie am besten?  
  • Welche Dimensionen von Pufferzonen sind um Offenland wie Moore oder um Sonderwaldstandorte zu wählen, um den Sameneintrag von benachbarten Douglasien zu minimieren?  
  • Welche waldbaulichen Massnahmen bestehen, um die Douglasie bei unerwünschter Etablierung zu kontrollieren? 

 

Schlussfolgerungen 

Unter den heutigen klimatischen Bedingungen kann die Douglasie an sehr vielen Waldstandorten genutzt werden, doch wird sich deren klimatisch geeignete Anbaufläche in den tieferen Lagen Mitteleuropas bei einem weiteren Anstieg der Temperaturen reduzieren und sich das Wachstumsoptimum in Lagen oberhalb von 1000 m über dem Meeresspiegel verschieben. Generell wird die Küstendouglasie für die forstliche Nutzung vorgeschlagen, insbesondere mit Herkünften aus dem südlichen Oregon und Kalifornien. Auf die schütteanfällige Inlanddouglasie sollte grundsätzlich verzichtet werden.  

Den aufgezeigten Chancen des Douglasienanbaus stehen die Risiken gegenüber, die das Einbringen dieser gebietsfremden Baumart mit sich bringt. Die Douglasie kann sich nicht aus eigener Kraft in mitteleuropäischen Waldgesellschaften ausbreiten und auf diese Weise naturschutzrelevante Pflanzenarten verdrängen. Herrschen allerdings nährstoffarme und auch trockene Standortsbedingungen, kann die Douglasie mit den einheimischen Baumarten mitziehen oder sie sogar überwachsen. Die Befunde bestätigen die Feldbeobachtungen aus Deutschland und Österreich, die in diesen Ländern zur Vorsicht gegenüber der unbekümmerten Verwendung der Douglasie im Waldbau mahnten.  

Während die Douglasie den Oberboden nicht substanziell zu verschlechtern scheint, dürfte sie auf mageren Böden zu einem zusätzlichen Nährstoffabbau führen. An produktiven Standorten, wo die Douglasie in der Schweiz vorwiegend angebaut wird, kann aber nicht von einer stark negativen Wirkung der Douglasie auf den Boden gesprochen werden.  

Die Biodiversität wird im Gegensatz dazu durch den Anbau der Douglasie, insbesondere bei sehr hohen Anteilen oder in Reinbeständen, in den meisten der berücksichtigten Studien stark negativ beeinflusst. Dies zeigt sich an der geringeren Anzahl Pilzen im Boden unter Douglasien, weniger Arthropodenindividuen und -arten in Baumrinden (Sommer und Winter) und Kronen (nur Winter) der Douglasien, wodurch diese weniger Nahrung vor allem für überwinternde Waldvögel bietet.  

Zudem zeigt die Douglasie eine geringere Diversität an am Totholzabbau beteiligter Organismen. In mehreren Studien wird darauf hingewiesen, dass in Mischbeständen die negativen Auswirkungen auf Diversität und Funktionen reduziert sind. Darüber hinaus dürften sich immer mehr potenzielle einheimische Schadorganismen an die Douglasie anpassen wie einheimische Borkenkäferarten oder neu eingeschleppte Schadorganismen.  

Aktuell ist die Situation in der Schweiz im Vergleich mit Deutschland und Frankreich, wo der landesweite Douglasienanteil in den Wäldern rund zehnmal grösser ist, weder dramatisch noch risikobefrachtet. Ihr Anteil wird sich in der Folge von Anpflanzungen im Mittelland in den kommenden Jahrzehnten in den Schweizer Wäldern jedoch erhöhen. Im Sinne einer Risikoverteilung ist bei der forstlichen Nutzung der Douglasie auf Mischbestände zu setzen.  

 

Das Projekt wurde von der Wald- und Holzforschungsförderung Schweiz WHFF-CH des Bundesamt für Umwelt BAFU unterstützt. 

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